Unsere Mission
Lebenswege begleiten – das ist unsere Mission.
Jeder von uns lebt mit seinen Möglichkeiten und mit seinen Grenzen. Wer stark ist, gibt von seiner Kraft ab. Und jeder Mensch hat seine Stärken! Wer wiederum Unterstützung braucht, soll die nötige Hilfe auch erhalten. Und jeder Mensch braucht Unterstützung!
Darum geben und nehmen wir täglich Anteil an den Lebenswegen, auf denen wir miteinander unterwegs sind. Unser Glaube an die freundliche Kraft des Evangeliums von Jesus Christus ist unsere Grundlage und zugleich unsere Zielmarke. In einer biblischen Geschichte fragt Jesus einen Blinden: „Was willst du, das ich für dich tue?“1 Er drängt dem Blinden seine Hilfe nicht einfach auf, sondern überlässt es ihm, sich frei zu entscheiden. In dieser Geste sehen auch wir unser Selbstverständnis verankert: Die Menschen, die wir begleiten und unterstützen, als Persönlichkeiten zu achten und ihnen mit Respekt zu begegnen. Ihre Möglichkeiten sind der Maßstab für unser unterstützendes Handeln.
Darum ist Diakonie selbstbewusst. Wir wissen, dass in unserer Stiftung und in unserem Unternehmensverbund kompetente Arbeit geleistet wird. Die Rahmenbedingungen sind allerdings oft schwierig. Umso wichtiger ist, dass jeder einzelne unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit seinen individuellen Fähigkeiten an der Durchsetzung der Ziele beteiligt ist.
Diakonie ist zugleich behutsam und voller Respekt vor der zerbrechlichen Schönheit jedes Lebens. Dass heilsame Erfahrungen sich ihre Wege in sorgenvolle Gedanken bahnen, dass mühsame Wege hilfreiche Begleitung finden - das ist unsere Mission.
Zeitgemäß und professionell nehmen wir auf der Grundlage christlichen Glaubens unsere gesellschaftliche Verantwortung wahr. Unser Psychiatrisches Zentrum und unsere Angebote in der psychosozialen Eingliederungshilfe arbeiten eng verknüpft zusammen. Alte und kranke Menschen erfahren Beratung und Betreuung in ihrem Zuhause, so lange es geht. Unter der Überschrift „Wohnen mit Service“ entscheiden unsere Mieter und Mieterinnen selbst, welche Unterstützungsangebote sie nutzen wollen. Und wer Pflege braucht, die in den eigenen vier Wänden nicht mehr möglich ist, den laden wir ein, in unseren Wohn- und Pflegeangeboten Menschen zu finden, die für sie da sind.
Herzlich willkommen auf unserer Website.
Jörn Engler und Wolfgang Hauschildt
1) Die Bibel, Markusevangelium, Kapitel 10, Vers 51
Chronik

- Pastor Johannes Paulsen

- Oberin Gertrud Koch

- Haus Bethlehem
Ein kleiner Stein bringt Großes ins Rollen
1879
Als Johannes Paulsen am 6.10.1879 als junger, zupackender Dorfpastor in Kropp ein Haus für angehende Diakone errichtet, löst er damit eine wegweisende sozialpolitische Entwicklung aus: Die daraus erwachsene Stiftung Diakoniewerk Kropp ist heute an mehreren Standorten in Schleswig-Holstein mit Einrichtungen vertreten und leistet Hilfe für Ältere, Kranke und Menschen mit seelischen und geistigen Behinderungen.
1910
Die Diakonisse Gertrud Koch wird zur Oberin eingesegnet und beginnt unverzüglich mit dem Neuaufbau der Diakonissen-Schwesternschaft. Sie leitet die Einrichtung in Kropp fast 50 Jahre.
1929/30
Um die Ausbildungsmöglichkeiten zu verbessern, wird 1929 eine eigene Krankenpflegeschule gegründet. Und ein Jahr darauf entsteht eine Haushaltungsschule, die später in eine Krankenpflege-Vorschule umgewandelt wird.
1979
Die Stiftung Diakoniewerk Kropp feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Zu den Ehrengästen zählt auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Dr. Gerhard Stoltenberg, der die Festrede hält.
2003
Die Stiftung und der Kirchenkreis Eiderstedt gründen gemeinsam die gemeinnützige Gesellschaft St. Christian. Mit dem Paul-Gerhardt-Haus in Tönning, dem Martje-Flohrs-Haus und dem Marienstift in Garding baut sie die stationären Altenhilfeangebote auf der Halbinsel Eiderstedt aus und passt sie zukünftigen Anforderungen an.
2004
Zu Beginn des Jubiläumsjahres zum 125-jährigen Bestehen des Diakoniewerks wird das neue Haus Bethlehem eingeweiht. Es ist eine Fortführung des Modellprojektes St. Martin der Hausgemeinschaften und betreut ältere Menschen, die gerontopsychiatrisch erkrankt sind (Gerontologie bedeutet Alterswissenschaft).
Johannes Paulsen
Wenn der Glaube Berge versetzt...
Das Lebenswerk von Johannes Paulsen, Gründer der »Kropper Anstalten«
Glauben und Handeln, Überzeugung und Tat – im Leben von Johannes Paulsen gingen Inspiration und Entschlusskraft stets Hand in Hand. Kein Wunder, immerhin entstammte er einer christlichen Lehrerfamilie und wusste seit seiner Kindheit, dass alles Wissen nur dann Wert besitzt, wenn es weitergegeben wird und zur aktiven Teilnahme erzieht.
Geboren am 18.3.1847 in Witzhave / Stormarn, entscheidet sich Paulsen unmittelbar nach dem Abitur für das Studium der Theologie, das ihn nach Tübingen und Berlin führt, bis er schließlich 1870 im Schleswiger Dom zum Pastor ordiniert wird. Nach der Hochzeit mit Maria Lund, einer früheren Nachhilfeschülerin, wird er 1872 als Pastor in Kropp eingeführt – ein Ruf, der für den jungen Mann zur lebenslangen Berufung wird.
Ein großer Bedarf an Seelsorge
Paulsen weiß bereits frühzeitig, dass er mehr tun möchte als predigen. Angesichts der sozialen Missstände sieht er sich zum Handeln aufgerufen. Schon bald bemüht er sich um die Ausbildung von Diakonen (Volksmissionaren), deren Aufgabe es ist, zu predigen, zu unterrichten und der Bevölkerung christliche Werte zu vermitteln. Zunächst nur auf 20 Dörfer beschränkt, gehen die Diakone nach kurzer Zeit in ganz Schleswig-Holstein dieser Tätigkeit nach.
Unter dem Eindruck der großen Auswanderungsbewegung ruft Paulsen kurze Zeit darauf eine weitere Einrichtung ins Leben, die fortan zur Schnittstelle vieler seiner Projekte wird: das Predigerseminar. Fast 50 Jahre existiert es und 472 Pastoren bildet es aus. Ihnen kommt die Aufgabe zu, die zahlreichen deutschsprachigen Gemeinden in den USA und Kanada seelsorgerisch zu begleiten und zu betreuen. Einige wenige dieser Pastoren verschlägt es auch nach Mexiko, Peru, Brasilien, Indien und Australien. Mehrfach in seinem Leben unternimmt Paulsen lange, anstrengende Reisen und überzeugt sich persönlich von der erfolgreichen Arbeit seiner Schüler. Und nicht nur das: Darüber hinaus hält er in Städten wie New York, Philadelphia und Pittsburg auch Gottesdienste.
1881 gründet Paulsen ein sogenanntes »Präparandeum«, worin junge Männer auf den Lehrerberuf vorbereitet werden. Sinn und Zweck dieser Einrichtung ist es, den Lehrern vor Aufnahme des Schuldienstes ein christliches Werteverständnis zu geben. Drei Jahre später erweitert Paulsen die Anlage in Kropp um ein Waisenhaus. Wie überfällig diese Einrichtung ist, zeigt sich binnen kürzester Zeit: »Wir fingen also ganz klein und bescheiden an für die Kinder«, schreibt er später, » um deren dringende Aufnahme gebeten wurde, so zu sorgen, aber kaum war diese Arbeit bekannt geworden, da zeigte sich erst, wie dringend sie war.« Natürlich werden die Kinder auch unterrichtet, und zwar von den Lehrern des Predigerseminars selbst. Ein weiteres Heim, nunmehr für uneheliche Kinder, entsteht 1897. Bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs im Jahr 1914 kann das Engagement für die Jüngsten unter den Notleidenden aufrechterhalten werden.
Hilfe für alte und kranke Menschen
Die »Kropper Anstalten«, wie die Einrichtungen bald genannt werden, machen zunehmend von sich reden und beschäftigen um 1890 bereits mehrere Diakone, die allein für die Missionsarbeit auf dem Land zuständig sind und zu dem Zweck regelmäßig rund 110 Ortschaften besuchen. Im Zuge dieses direkten Kontakts zur Bevölkerung erkennt Paulsen bald auch den Bedarf für weitere Hilfsangebote wie etwa das eines Altenheim. 1891 wird es gebaut – und bestimmt mit seinen Leistungen bis heute einen Arbeitsschwerpunkt des Diakoniewerks in Kropp.
Paulsen setzt sich aber auch für andere Gruppen am Rande der Gesellschaft ein. So zeigt sich nach Errichtung von »Bethesda«, einem Heim für geistig verwirrte Menschen, wie groß der Bedarf an solchen Heimplätzen ist, sodass bis 1900 sieben weitere dieser Anstalten gebaut werden. Ebenso entsteht ein Heim für Menschen mit gestörtem Sozialverhalten.
Rettung in letzter Not
Im Jahr 1900 zählen die Anstalten des Diakoniewerks Kropp 25 Häuser mit rund 500 zu betreuenden Klienten und Schülern sowie zahlreiche Werkstätten und andere Gebäude. Mit anderen Worten: ein komplexes und personalintensives Netzwerk war entstanden – und entsprechend auch ein teures. Insbesondere die Expansion in den neunziger Jahres des 19. Jahrhunderts zehrt die Finanzdecke der Kropper Anstalten auf und führt fast zum Konkurs der Einrichtungen. Nur dem Juristen Dr. Friedrich Wittern, einem Cousin von Paulsen, ist es zu verdanken, dass eine Insolvenz abgewendet und eine Auffanggesellschaft gegründet werden kann.
Auch wenn Johannes Paulsen fortan die finanziellen Angelegenheiten anderen überlässt, bleibt er dem Diakoniewerk bis zu seinem Tod 1916 treu. Sein Ideenreichtum und seine Durchsetzungskraft prägen bis zum heutigen Tag das Leitbild der Stiftung Diakoniewerk Kropp, die den Menschen in seiner von Gott gegebenen Individualität in das Zentrum ihres Wirkens stellt.







